Gerhard Reinprecht

Gerhard Reinprecht

Armutsfalle Studium

 

Immer wieder wird davon gesprochen, wie wichtig Bildung für das Überleben in der heutigen Zeit sei. Liest man sich die Stellenangebote durch, so ist ohne Hochschulabschluss in Österreich kaum mehr Arbeit zu finden. Die Produktion wandert in Niedriglohnländer ab, die Verwaltungen und Direktionen bleiben. Aufgrund dieser Entwicklung gibt es für weniger gebildete Personen nur geringe Zukunftsperspektiven.

In Erwägung positiver Zukunftsaussichten oder auch weil keine geeignete Arbeitsstelle gefunden wird, beginnen junge Menschen eine Universitäts- oder Hochschulausbildung.

   

Jedoch ist das Bildungsangebot besonders in ländlichen Regionen sehr gering, ein Abwandern in die Ballungszentren wird notwendig. Ab hier steht der junge Mensch vor dem Problem, fernab des Elternhauses, sein Leben selbst zu organisieren. Wer aus wohlhabenden Umfeld stammt, kann damit rechnen, alles zur Verfügung gestellt zu bekommen, um Bedingungen für einen positiven Studienverlauf zu haben. Wer jedoch aus sozial geschwächten Verhältnissen kommt, muss da schon mehr an Zeit und Energien investieren, um überhaupt „am Ball“ bleiben zu können. Neben der Finanzierung der Unterkunft und des täglichen Bedarfs des Lebens brauchen Studierende beispielsweise auch Geld für Bücher, Skripten und Öffentliche Verkehrsmittel. Die modernen Unterrichtsstrukturen erfordern zudem die Anschaffung eines Computers und die Möglichkeit eines Internetzuganges. Als wäre dies noch nicht genug, belastet man die Hoffnungsträger unserer Zukunft noch zusätzlich mit derzeit 726 Euro Studiengebühren zzgl.30 Euro Mitgliedsbeitrag der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH).

Link zur Homepage der Österreichischen Hochschülerschaft

   

Studentenberatung der Arbeiterkammer Österreich

Laut ÖH sind es bereits mehr als 80% der Studierenden, die, um zu überleben, neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachgehen müssen. Das Lernen, die Besuche der Lehrveranstaltungen und das Nachgehen der Erwerbstätigkeit ergeben laut ÖH eine Wochenarbeitszeit von 60 bis 80 Stunden. Dies schränkt nachweislich den Studienerfolg ein und verlängert die Dauer des Studiums.

 

Von Seiten der politisch Verantwortlichen ist man um Schadensbegrenzung bemüht. Es wird versprochen, wer arbeitet bekommt die Studiengebühren erstattet, als Werbungskosten. Nur der Haken dabei ist, das Werbungskosten nur geltend gemacht werden können, wenn Lohn- bzw. Einkommenssteuer abgeführt wird. Angenommen, ein Student übt einen Teilzeitjob mit 30 Stunden/Woche und einem Stundenlohn von etwa € 7,- brutto aus, dann fällt nach wie vor keine Lohnsteuer an, eine Rückerstattung als Werbungskosten also nicht möglich. Also keine Rückerstattung trotz 40 Stunden Studium und 30 Stunden Erwerbsarbeit.

Ein weiteres Entgegenkommen der Politik ist die so genannte Studienbeihilfe, in manchen Fällen auch Stipendium genannt (z. B. Selbsterhalterstipendium). Sie verspricht einen bis zu 600 Euro Unterstützung zum Studium. Damit verbunden ist jedoch ein enormer Leistungsdruck, Prüfungen müssen im Marathonlauf absolviert, die Zeugnisse fristgerecht bei der Studierendenbehörde abgegeben werden. Wer das erste Studienjahr nicht übersteht, wird vom Sozialstaat erbarmungslos in die Schuldenfalle getrieben. Im Extremfall müssen 7.200 Euro binnen vier Wochen an das Wissenschaftsministerium zurückbezahlt werden. Was als Beihilfe angeboten wurde entpuppt sich als reiner Kredit und nicht als Hilfestellung.

Wir alle verstehen, dass sich die Chancen für jemand, der zu studieren begann, weil er keine Arbeitsstelle gefunden hat, auch nach einem abgebrochenen Studium nicht nachhaltig verbessern. Was bleibt sind Frustration, Minderwertigkeitskomplexe und Schulden. Ein Hoch dem Österreichischen Bildungssystem!

Ein bedingungsloses, personenbezogenens und existenzsicherndes Grundeinkommen würde auch in diesem Fall den Menschen dienlich sein.